Heizkraftwerk Berlin-Mitte, das auch das Regierungsviertel versorgt, dient auch dem Netzausgleich. Foto: Georg Slickers / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

KWK-​Novelle: Kaum Vorteile für Erneuerbare

von | 1. September 2015

Die Novelle des KWK-​Gesetzes trifft kaum auf Zuspruch. Einer der Kern­punkte ist der Umstieg vom bishe­rigen Ausbauziel 25 % KWK-​Anteil an der Netto­strom­erzeugung auf KWK-​Anteil von 25 % an der regel­baren Stromerzeugung. 

Das bedeutet effektiv eine Minderung des KWK-​Ausbauziels. Ebenso soll die KWK-Förderung auf Anlagen in der öffent­lichen Versorgung beschränkt werden. Und: Für selbst verbrauchten Strom im Bereich der Industrie wird es kaum noch Förder­gelder geben. 

BDEW will weiter Kohle gefördert

Für den BDEW, größter Bran­chen­verband der Ener­gie­wirt­schaft, ist es verständ­li­cher­weise unver­ständlich, „warum bestehende KWK-​Anlagen auf Kohle­basis von einer Unter­stützung ausge­schlossen werden sollten, obwohl auch sie gegenüber der getrennten Erzeugung eine relevante CO2-​Einsparung bewirken.“ Wobei dem Verband wohl entgangen ist, dass die Bundes­re­gierung eine Strategie weg von Fossilen fährt. Man nennt das Energiewende.

Der VKU hingegen, der sich mit dem BDEW einen Großteil der Stadt­werke als Mitglieder teilt, sieht den Entwurf deutlich positiver. Verbes­se­rungs­bedarf gebe es trotzdem. So solle man am KWK-​Ausbauziel von 25 Prozent auf die gesamte Strom­erzeugung fest­halten, eventuell mit einer Streckung bis 2015. Und Bestands­an­lagen sollten weiter unter­stützt werden, da diese insbe­sondere bei gasge­führter KWK, einer Domäne vieler größerer Stadt­werke, unter dem niedrigen Strom­preis leiden.

Die groß­in­dus­tri­ellen Strom­ver­braucher, im VIK zusam­men­ge­schlossen, sehen den Entwurf logi­scher­weise deutlich kriti­scher. „Mit grob­schnei­digen und diskri­mi­nie­renden Förder­kri­terien werden große CO2-​Einsparungsmöglichkeiten in der Industrie einfach verschenkt. Die indus­trielle KWK wird weit­gehend von der Förderung ausge­schlossen, die Unter­nehmen werden aber gleich­zeitig mehr zur Kasse gebeten. Diese Doppel­be­lastung ist insbe­sondere vor dem Hinter­grund der großen KWK-​Ausbaupotenziale im indus­tri­ellen Bereich hoch­gradig wider­sprüchlich“, so der Verband und verweist auf sein Potenzial: Der Wärme­bedarf der Industrie werde auch im Jahr 2030 noch bei ca. 200 TWh liegen. Dies entspricht dem Wärme­bedarf von etwa 20 Millionen Privat­haus­halten, also einer Größen­ordnung, die realis­tisch gesehen nicht aus erneu­er­baren Ener­gie­trägern gedeckt werden könne. 

Keine KWK-​Förderung im Sommer

Wenig erfreut sind die Inter­es­sen­ver­treter der Erneu­er­baren. Der Bundes­verband Solar­wirt­schaft warnt vor einem unnötigen Gegen­ein­ander von Effi­zi­enz­tech­no­logien und Erneu­er­baren Energien. Die Nutzung von Gaskraft­werken sei zwar noch für einige Zeit notwendig und sinnvoll, wenn diese in Kraft-​Wärme-​Kopplung besonders effizient betrieben werden. Die Förderung fossil erzeugter Fernwärme müsse bei Neuin­ves­ti­tionen aber auf die Heiz­pe­riode beschränkt werden. Andern­falls würde die notwendige Umstellung der Fern­wär­me­ver­sorgung auf Solar­energie blockiert, obwohl diese inzwi­schen wett­be­werbs­fähig und für den Erfolg der Ener­gie­wende dringend geboten sei. Sprich: Im Sommer solle es ab 2018 keine KWK-​Förderung geben. Doch das wird sich wohl kaum erfülllen.

Biogas immer mehr in Ecke gedrängt

Auch der biogasrat zeigt sich wenig erfreut, haben seine Mitglieder doch schon unter der Modi­fi­zierung des EEG zu leiden. Immerhin wird in KWK generell noch der letzte Strohhalm erkannt. Und die Branche wünscht, dass der Einsatz von Biogas und Biomethan in KWK-​Anlagen künftig auch via KWK‑G gefördert werden. Ab 2016 wünscht sich die Branche einen Zuschlag von 1,5 Cent je kWh, wie er bisher schon gasba­sierten KWK-​Produzenten gezahlt wird.

Vorschaubild: Für das Heiz­kraftwerk Berlin-​Mitte, das auch das Regie­rungs­viertel versorgt, ändert sich mit dem neuen KWK‑G wenig. Foto: Georg Slickers /​Wikimedia /​Lizenz unter CC BY-​SA 3.0


Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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