Foto: Mejidori / Wikimedia

Bedarf an Biokraft­stoffen geht leicht zurück

von | 16. Januar 2017

Der Anteil von Biokraft­stoffen am gesamten Kraft­stoff­bedarf ist leicht rück­läufig. Wie die Bundes­re­gierung mitteilt, konnten 2015 5,2 Prozent des Kraft­stoff­be­darfs durch Biokraft­stoffe abgedeckt werden. Ein Jahr zuvor hatte der Anteil bei 5,4 Prozent gelegen.

Absatz leicht gesunken

Abgesetzt wurden 2015:

  • Biodiesel: 2 Millionen Tonnen Biodiesel (2014: 1,97 Millionen Tonnen)
  • Bioethanol: 1,2 Millionen Tonnen (2014: 1,23 Millionen Tonnen)
  • Hydriertes Pflan­zenöl (HVO): 0,17 Millionen Tonnen (2014: 0,34 Millionen Tonnen)

Alle vorge­nannten Biokraft­stoffe konnten 2015 rund 5,2 (2014: 5,4) ener­ge­tische Prozent des Kraft­stoff­be­darfs abdecken.

Biokraft­stoff­quote bei 6,25 %

Mit der Biokraft­stoff­quote wurde die Mine­ral­öl­wirt­schaft verpflichtet, einen Mindest­anteil an Biokraft­stoffen in den Verkehr zu bringen. Die Quote konnte dabei sowohl durch Beimi­schung von Biokraft­stoff zu fossilem Kraft­stoff als auch durch Biorein­kraft­stoffe erfüllt werden. Zulässig war auch eine vertrag­liche Über­tragung der Quoten­pflicht auf Dritte (sog. Quoten­handel). Die Gesamt­quote lag in den Jahren 2010 bis 2014 bei 6,25 ener­ge­ti­schen Prozent.

Durch das Zwölfte Gesetz zur Änderung des Bundes-​Immissionsschutzgesetzes vom 20. November 2014 wurde der Umstieg von der Biokraftstoff- auf die Treib­haus­gas­quote angepasst und präzi­siert. Zum 1. Januar 2015 wurde die Quote von der ener­ge­ti­schen Bewertung auf die Netto-​Treibhausgasminderung als Bezugs­größe umge­stellt. Seit dem Jahr 2015 haben nach dem Bundes-​Immissionsschutzgesetz Verpflichtete sicher­zu­stellen, dass die Treib­haus­gas­emis­sionen der von ihnen in Verkehr gebrachten fossilen Otto- und Diesel­kraft­stoffe um 3,5 Prozent, ab 2017 um 4 Prozent und ab 2020 um 6 Prozent gegenüber einem Refe­renzwert gemindert werden. Eine steu­er­liche Begüns­tigung von biogenen Anteilen in Gemischen mit fossilen Kraft­stoffen ist infolge der Umstellung des Förder­rahmens bereits seit Anfang des Jahres 2007 grund­sätzlich nicht mehr möglich. Die Steu­er­be­güns­tigung für Biorein­kraft­stoffe ist Ende des Jahres 2012 weitest­gehend ausgelaufen.

Steu­er­ent­lastung für Substitute

Seit 2013 kann für reinen Biodiesel und Pflan­zen­öl­kraft­stoff sowie für andere reine Biokraft­stoffe, die fossilen Diesel­kraft­stoff substi­tu­ieren sollen, eine Steu­er­ent­lastung in Höhe von 2,14 Cent pro Liter beantragt werden. Damit besteht die theo­re­tische Möglichkeit, dass über eine Steu­er­be­güns­tigung der nied­rigere Ener­gie­gehalt dieser Biorein­kraft­stoffe gegenüber fossilem Diesel ausge­glichen wurde.

Steu­er­liche Sonder­re­ge­lungen exis­tierten für als Kraft­stoff einge­setztes Biomethan, BtL-​Kraftstoffe und Zellulose-​Ethanol. Diese Biokraft­stoffe konnten bis Ende des Jahres 2015 sowohl als Bestandteil von Gemischen mit fossilen Kraft­stoffen als auch in Reinform voll­ständig von der Steuer entlastet werden. Bei BtL-​Kraftstoffen und Zellulose-​Ethanol war sogar eine Anrechnung auf die Biokraft­stoff­quote neben der steu­er­lichen Entlastung möglich. Des Weiteren bestand eine Steu­er­ent­las­tungs­mög­lichkeit für den Bioetha­nol­anteil in Kraft­stoffen mit einem Bioetha­nol­anteil von mindestens 70 Volu­men­prozent (v. a. E85-​Kraftstoff). Biokraft­stoffe, die seit Beginn des Jahres 2011 in der Bundes­re­publik Deutschland in Verkehr gebracht werden, konnten im Übrigen nur dann über die Biokraft­stoff­quote oder steu­erlich gefördert werden, wenn diese die Anfor­de­rungen der Biokraftstoff-​Nachhaltigkeitsverordnung erfüllen.

Biokraft­stoffe müssen Umwelt schützen

Die Bundes­re­gierung geht in dem Bericht auch auf Umwelt­ef­fekte ein. Der Anbau von Biomasse dürfe keine besonders schüt­zens­werten Flächen wie Regen­wälder zerstören. Dafür gebe es weltweit geltende Vorschriften, die eine direkte Gefährdung ökolo­gisch wert­voller Flächen verhindern sollten.
Inzwi­schen seien auch Rege­lungen zur Proble­matik der indi­rekten Land­nutzung getroffen worden. Es sei jedoch nicht ausge­schlossen, dass Biomasse für ener­ge­tische Zwecke auf Flächen produ­ziert werde, die vorher für die Produktion von Lebens- und Futter­mitteln genutzt worden seien. Deren Produktion werde dann zumindest teilweise in Gebiete mit hohem Kohlen­stoff­be­stand (Wälder, Moore) oder mit hoher biolo­gi­scher Vielfalt verdrängt.


Über den Strom­bedarf von Elek­tro­autos, die auch ein Zukunfts­modell für die Mobilität sind, schreibt Energieblogger-​Kollege Rüdiger Paschotta hier auf seinem Blog RP-Energie-Lexikon.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Wohn­quartier mit Sand­wich­kol­lek­toren und kalter Nahwärme

Wohn­quartier mit Sand­wich­kol­lek­toren und kalter Nahwärme

Eisspeicher spielen für die Wärmewende eine wachsende Rolle. Investoren landauf, landab erkennen die Vorteile der Technologie, mit der im Winter gut geheizt und im Sommer fast zum Null-Ttarif gekühlt werden kann. Mit dem Erd-Eeisspeicher kommt nun eine investiv...

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Die Novellen der Heizkostenverordnung und der Wärmelieferverordnung lassen auf sich warten. Jedoch wurden zuletzt steuerliche Hemmnisse für Wohnungsunternehmen verringert, die ihnen den Energiehandel erschwerten. Für Contractoren ist dies kein bedrohliches Szenario....

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Sonnenreichtum Westafrikas nutzen, um Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Das Projekt hat nur Chancen bei einer echten Partnerschaft. Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen. "Der Strombedarf...

Strom aus Strömen

Strom aus Strömen

Wasserkraft ist neben Biomasse die einzige grundlastfähige erneuerbare Energieform. Doch die Ausbaupotenziale für große Pumpspeicher- oder reine Wasserkraftwerke sind begrenzt. Bürger begehren auf, Investoren ziehen sich zurück. Die kleine Variante, etwa...