Sek­tor­kopp­lung geht auch im Kleinen

Power-to-Heat funktioniert ähnlich wie ein Tauchsieder. Foto: Simon. A. Eugster/Wikimedia
Power-to-Heat funktioniert ähnlich wie ein Tauchsieder. Foto: Simon. A. Eugster/Wikimedia

Die Sek­tor­kopp­lung, also die Kom­pa­ti­bi­li­tät aller drei großen Ener­gie­be­rei­che Mobi­li­tät, Wärme und Strom­erzeu­gung auf Grund­lage Erneu­er­ba­ren Stroms, geht nicht nur im volks­wirt­schaft­li­chen Maßstab, sondern auch im kleinen.

Haus­be­sit­zer landauf, landab kom­bi­nie­ren schon jetzt ihre Hei­zun­gen mit erneu­er­bare Wärme, meist Solar­ther­mie oder Holz­pro­dukte wie Kamin­holz oder Pellets. Doch auch Strom lässt sich in eine Heizung ein­kop­peln.

Das tech­ni­sche Prinzip ist denkbar einfach. Der Warm­was­ser­spei­cher, über den alle fos­si­len Hei­zungs­ty­pen mit Aus­nahme der Durch­lauf­er­hit­zer ver­fü­gen, nimmt über­schüs­si­gen Öko­strom auf, der sonst abge­re­gelt werden müsste. Nennt sich Power‐to‐Heat und ähnelt tech­nisch einem Tauch­sie­der, der in den Warm­was­ser­spei­cher inte­griert wird.

Aller­dings ist dieser Tauch­sie­der intel­li­gent und erkennt, wann über­schüs­si­ger Strom im Netz zur Ver­fü­gung steht. Und das waren 2015 eine ganze Menge. Allein durch Gefah­ren­ab­wehr eines Black­outs, der durch schwan­kende Ein­spei­sun­gen von Erneu­er­ba­ren Ener­gien ins Strom­netz, aber nicht nur dadurch, ent­steht, wurden schät­zungs­weise eine Mil­li­arde Euro auf­ge­wen­det.

Zudem wurden Leis­tun­gen von rund 2,7 TWh, meist bei Wind­an­la­gen, abge­schal­tet werden, so die Bun­des­netz­agen­tur. Die daraus resul­tie­ren­den Ent­schä­di­gun­gen dürften mehr als 300 Mil­lio­nen Euro betra­gen. End­gül­tige Zahlen liegen noch nicht vor.

Das System also gleich drei Fliegen mit einer Klappe:

  1. Fossile Ener­gie­trä­ger werden ein­ge­spart
  2. Über­schüs­si­ger Öko‐Strom wird abge­schöpft
  3. Die Netze bleiben sta­bi­ler

Bezahlt macht sich bisher aber nur der erste Punkt, der aller­dings auch finan­zi­ell gesehen am gerings­ten aus­fällt. Denn kleinen Haus‐ und Hei­zungs­be­sit­zern ist es nicht möglich, am Regel­en­er­gie­markt teil­zu­neh­men, sie pro­fi­tie­ren also nicht von nied­rigs­ten, gar nega­ti­ven Strom­prei­sen und von der Regelenergie‐Prämie. Denn die gilt erst für Ver­brau­cher und Bezie­her ab 5 MW Leis­tung.

Poli­tisch gibt es derzeit keine Anstal­ten, dies zu ändern. Aller­dings könnten sich viele Haus­be­sit­zer zu einem vir­tu­el­len Kraft­werk zusam­men­schlie­ßen und so die Regelmarkt‐Eintrittsbarriere über­sprun­gen. So etwas plant derzeit die ARGE Netz, die bereits jetzt schon 3.500 MW Leis­tung aus dezen­tra­len, kleinen Erzeu­gern zu vir­tu­el­len Kraft­wer­ken bündelt.

Eine weitere Mög­lich­keit ist die Ein­bin­dung eigens erzeug­ten PV‐Stroms in die Heizung. Dies lohnt sich mit Sicher­heit dann, wenn die För­de­run­gen nach EEG nicht mehr attrak­tiv sind oder bei Alt­an­la­gen aus­lau­fen. Das dürfte in den kom­men­den fünf bis sechs Jahren mas­sen­haft der Fall sein. Ein Pra­xis­test in Berlin mit einer 6,4 kW (peak)-Anlage kann schon jetzt in den Som­mer­mo­na­ten den kom­plet­ten Warm­was­ser­be­darf abde­cken und – je nach Son­nen­ein­strah­lung – im Winter 5 bis 10 % der Heiz­last.

Und – das jedoch setzt die Fle­xi­bi­li­tät der Ener­gie­ver­sor­ger voraus – man könnte güns­tige Tarife wie früher den Nacht­spei­cher­strom nutzen. Dum­mer­weise wurden diese von den meisten Ver­sor­gern mangels Nach­frage in den letzten Jahren abge­schafft. Aber wo ein Markt ist, wird es auch pas­sende Tarife geben.


Über die Poten­tiale der Sek­to­ren­kopp­lung in Folge der Pariser Kli­ma­kon­fe­renz schreibt Energieblogger‐Kollege Olof E. Matthaei hier auf seinem Blog Energie effi­zi­ent sparen.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Urban­sky,
    vielen Dank für das Bild vom Tauch­sie­der! Mein Vater war einer der Pio­niere in der Ent­wick­lung des all­tags­taug­li­chen Tauch­sie­ders. Dem­zu­folge hat das von ihm 1924 gegrün­dete Unter­neh­men Stiebel Eltron sich in den ersten Jahr­zehn­ten seines Bestehens aus­schließ­lich mit der Ent­wick­lung von Wär­me­er­zeu­gern unter Ver­wen­dung von Direkt­strom befasst. Als Alter­na­tive stand ja nur der Koh­le­ofen oder -herd zur Ver­fü­gung. Gas fand erst später flä­chen­de­ckende Ver­wen­dung.
    Seit über 40 Jahren sind wir jetzt markt­füh­rend bei der Ent­wick­lung und Ver­mark­tung von Wär­me­pum­pen.
    Auch wenn der Tauch­sie­der als »Heiz­stab oder Heiz­kör­per« zur Nutzung von vola­ti­lem Strom eine Renais­sance erlebt, emp­feh­len wir heute die Wär­me­pumpe als effi­zi­en­tere Tech­no­lo­gie zur Wär­me­er­zeu­gung. Aber wer weiß… viel­leicht haben wir eines nicht so fernen Tages sooo viel vola­tile EE zur Ver­fü­gung, daß auch der Tauch­sie­der Wie­der­auf­er­ste­hung feiert.
    Viele Grüße
    Ulrich Stiebel

    • Danke, Herr Stiebel, für den freund­li­chen Kom­men­tar. Sicher — die Wär­me­pumpe ist deut­lich effi­zi­en­ter als ein Tauch­sie­der und sollte da, wo möglich, auch Mittel der Wahl sein.

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