Was bedeu­tet der Kli­ma­schutz­plan für den Wär­me­markt

Solarthermieanwendung in einer Hamburger Wohnsiedlung. Foto: Wagner Solar Klimaschutzplan, Wärmemarkt, Heizung
Solarthermieanwendung in einer Hamburger Wohnsiedlung. Foto: Wagner Solar

In der Unter­rich­tung der Bun­des­re­gie­rung an der Bun­des­tag zum heftig umstrit­te­nen Kli­ma­schutz­plan wurden die Ziele und Maß­nah­men fest­ge­zurrt, die den Weg in einen nahezu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stand im Jahr 2050 ebnen sollen. Zwänge wie bei unseren Nach­barn in der Schweiz oder in Däne­mark soll es dabei kaum geben. Statt dessen wird auf einen „Instru­men­ten­mix aus For­schung und Inno­va­tion, Infor­mie­ren und Beraten, Fördern und Fordern“ gesetzt. Ob das was bringt, bleibt zwei­fel­haft. Ähn­li­ches gab es bisher auch schon, ver­stärkt sogar in diesem Jahr mit MAP und APEE.

Wirt­schaft­lich­keit bleibt Kri­te­rium

Eine der Kern­aus­sa­gen: „Die Wirt­schaft­lich­keit der Maß­nah­men und die Bezahl­bar­keit des Bauens‐ und Wohnens sind zu berück­sich­ti­gen.“ Damit ließ sich bisher schon viel ver­mei­den, wird aber, wenn man es positiv sehen will, tat­säch­lich dazu führen, soziale Härten zu ver­mei­den. Klar ist der Bun­des­re­gie­rung aber auch, dass eine Abkehr von fos­si­len Hei­zungs­sys­te­men unaus­weich­lich ist. Dazu wird die Ein­füh­rung einer Nut­zungs­pflicht erneu­er­ba­rer Ener­gien geprüft und könnte even­tu­ell beim Abgleich von EnEV und EEWär­meG im kom­men­den Jahr Rea­li­tät werden. Jeden­falls war das eine der Aus­sa­gen der noch amtie­ren­den Koali­tion. Ein erstes Zeichen ist der Stopp der Aus­tausch­för­de­rung fos­si­ler Hei­zun­gen ab 2020.

Nun zum Fahr­plan bis 2050 en Detail (Auszüge aus dem Original‐Bericht):

  • Für Neu­bau­ten wird der ab 2021 gel­tende Nied­rigst­ener­gie­ge­bäu­de­stan­dard schritt­weise wei­ter­ent­wi­ckelt, um mit­tel­fris­tig einen Neu­bau­stan­dard zu errei­chen, der nahezu kli­ma­neu­tral ist. Bis 2030 soll der ener­ge­ti­sche Stan­dard schritt­weise auf einen Wert deut­lich unter­halb des heute geför­der­ten „Effi­zi­enz­haus 55“-Standards fallen.
  • Eine Neu­in­stal­la­tion von Heiz­sys­te­men, die erneu­er­bare Ener­gien effi­zi­ent nutzen, wird dann im Ver­gleich zu Heiz­sys­te­men mit fos­si­len Brenn­stof­fen deut­lich attrak­ti­ver sein.
  • Zur Unter­stüt­zung des Ziels sollen künftig auch geeig­nete Anreize zur Nutzung und Errich­tung von Gebäu­den geprüft werden, die mehr Energie erzeu­gen, als für den Betrieb erfor­der­lich ist. Hierzu wurden mit dem Effi­zi­enz­haus Plus Stan­dard, dem Son­nen­haus­kon­zept oder ersten Pilot­vor­ha­ben zur Ein­spei­sung solar­ther­misch erzeug­ter Ener­gien in Wär­me­netze tech­no­lo­gie­of­fene Ansätze ent­wi­ckelt.
  • Die Bun­des­re­gie­rung wird für den Gebäu­de­be­stand zeitnah auf der Basis des Ener­gie­ein­spar­rechts eine Sys­te­ma­tik ent­wi­ckeln, die Gebäu­de­ei­gen­tü­mern eine ener­ge­ti­sche Ein­ord­nung des jewei­li­gen Gebäu­des nach Klassen ermög­licht.
  • Indi­vi­du­elle frei­wil­lige Sanie­rungs­fahr­pläne, die bereits in der ESG ver­an­kert sind und zeitnah ein­ge­führt werden, werden den Sanie­rungs­be­darf hin zu einem nahezu kli­ma­neu­tra­len Gebäude auf­zei­gen.
  • Gemein­sam mit den für den Vollzug des gel­ten­den Rechts zustän­di­gen Ländern sollen Mög­lich­kei­ten zur wei­te­ren Stär­kung des Voll­zugs geprüft werden.
  • Die Dekar­bo­ni­sie­rung im Gebäu­de­be­reich bedeu­tet auch die schritt­weise Umstel­lung auf erneu­er­bare Ener­gien zur Wärme‐, Kälte‐ und Strom­ver­sor­gung.

Sek­tor­kopp­lung und Wär­me­ver­sor­gung im Quar­tier

Zukünf­tig wird auch die Ver­net­zung von Gebäu­den mit dem Verkehrs‐ oder Indus­trie­sek­tor sowie der Ener­gie­wirt­schaft immer mehr an Bedeu­tung gewin­nen.

  • Die Bun­des­re­gie­rung wird zur Unter­stüt­zung der not­wen­di­gen Dekar­bo­ni­sie­rung der Ener­gie­ver­sor­gung die Erfor­schung, Ent­wick­lung und Markt­ein­füh­rung von kos­ten­güns­ti­gen und inno­va­ti­ven Tech­no­lo­gien vor­an­trei­ben, die eine Sys­tem­um­stel­lung hin zur emis­si­ons­ar­men Wär­me­be­reit­stel­lung ermög­li­chen.
  • Hierzu gehören bei­spiels­weise Nie­der­tem­pe­ra­tur­sys­teme, die mit erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len kom­bi­niert werden, sys­tem­dien­li­che Spei­cher­kon­zepte oder Ver­fah­ren zur Pro­duk­tion, Ver­tei­lung und Nutzung nach­hal­ti­ger Brenn­stoffe auf der Grund­lage von Power‐to‐Gas oder Power‐to‐Liquid Tech­no­lo­gien.
  • Um die ver­stärkte Inte­gra­tion erneu­er­ba­rer Ener­gien im Gebäu­de­be­reich anzu­rei­zen, gilt es bestehende Hemm­nisse, z. B. für Wohnungs‐ und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men, Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten oder Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zu besei­ti­gen. Das wird die Bun­des­re­gie­rung auch wei­ter­hin im Blick haben.
  • Zudem sollen Mus­ter­quar­tiere gestärkt und eva­lu­iert werden, in denen neue Formen der Ver­net­zung und Sek­tor­kopp­lung erprobt werden, wie z. B. die intel­li­gen­ter Steue­rung der Haus­tech­nik.

Über das wach­sende Angebot an Heiz­strom für Wär­me­pum­pen, die ein ideales Bei­spiel für die Sek­tor­kopp­lung  ist, infor­miert Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.