Dämmung von Gebäuden steht bei Vermietern an erster Stelle der energetischen Sanierungsmaßnahmen. Foto: Urbansky

Studie: Ener­gie­ausweis spielt bei Vermietung keine Rolle

von | 18. Januar 2017

Der Bundes­verband der Energie- und Wasser­wirt­schaft hat 5000 Haushalte zum Thema Heizen befragt. Die Ergeb­nisse sind zum größten Teil wenige über­ra­schend, beweisen sie doch einmal mehr die Vormacht­stellung von Erdgas und den Sanie­rungsstau im Heizungskeller. 

Dennoch gibt es auch Über­ra­schendes, etwa, dass der Ener­gie­ausweis bei Vermietung keine Rolle spielt. Im Folgenden werden die wich­tigsten 10 Ergeb­nisse hier gekürzt dokumentiert.

1) Heizungs­an­lagen nicht auf neuesten Stand der Technik

Rund jede zweite Wohnung eines professionell-​gewerblichen Anbieters im Bestand wird mit einer Heizungs­anlage aus der Zeit vor 1995 beheizt. Die Heizungs­an­lagen privater Klein­an­bieter sind, nicht zuletzt auch wegen des höheren Anteils an Neubauten, im Schnitt deutlich jünger. Die Ergeb­nisse zeigen ebenfalls deutlich, dass vor allem nach der Wende in ostdeut­schen Wohnungs­märkten erheblich in den ener­ge­ti­schen Zustand der Wohnungen inves­tiert wurde und dort viele Heizungs­an­lagen in den Jahren von 1990 bis 1999 ausge­tauscht wurden. Eine erneute Sanie­rungs­welle zeichnet sich – jeden­falls in Bezug auf die Heizungs­an­lagen – derzeit aber noch nicht ab.

2) Erdgas und Fernwärme am weitesten verbreitet

Heizungsstruktur nach Vermieter Quelle/Grafiken: BDEW

Quelle/​Grafiken: BDEW

Aktuell wird knapp die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland (Miet- und Eigen­tums­woh­nungen) mit Erdgas beheizt. Mit Heizöl werden knapp 27 % und mit Fernwärme knapp 14 % der Wohnungen beheizt. Nur auf vermietete Wohnungen bezogen ergibt sich eine andere Struktur bei den verwen­deten Ener­gie­trägern. Die professionell-​gewerblichen Vermietern der Wohnungs­wirt­schaft – die über­wiegend Mehr­fa­mi­li­en­häuser und größere Wohn­blöcke vermieten – nutzen Fernwärme in 55 % der Wohn­ein­heiten, gefolgt von Erdgas mit 38 %. Erdgas wird in 60 % der Wohnungen der privaten Klein­an­bieter verwendet, gefolgt von Öl mit 29 % und Fernwärme mit 8 %. Der Wechsel des Ener­gie­trägers hat eine vergleichs­weise geringe Bedeutung. In erster Linie werden Öl und Nacht­spei­cher­hei­zungen gegen Gashei­zungen ausge­tauscht. Bei den professionell-​gewerblichen Anbietern spielt jedoch auch der Wechsel von Gas zu Fernwärme eine wichtige Rolle.

3) Große Vermieter nutzen inno­vative Heizungskonzepte

Insbe­sondere größere Vermieter mit einem Wohnungs­be­stand ab 2.500 Hybride Heizungen Quelle/Grafiken: BDEWWohn­ein­heiten setzten in den letzten Jahren auch häufig auf alter­native Heiz­mög­lich­keiten. Allen voran ist hier die Solar­thermie zu nennen, gefolgt von Block­heiz­kraft­werken und Zu- und Abluft­an­lagen mit Wärme­rück­ge­winnung. Das Thema Mieter­strom ist vor allem aufgrund der aktuellen Rechts­si­tuation für viele Vermieter derzeit noch keine Option. Dennoch bestehen an diesem Thema großes Interesse, ein hoher Infor­ma­ti­ons­bedarf und der Wunsch nach Beratungsleistungen.

4) Dämmung vorn bei ener­ge­ti­scher Modernisierung

Sanierungsmaßnahmen Quelle/Grafiken: BDEWDrei Viertel der professionell-​gewerblichen Vermieter und jeder zweite private Klein­an­bieter haben in den letzten 5 Jahren ener­ge­tisch moder­ni­siert. Auch für die kommenden Jahre planen 62 % der professionell-​gewerblichen Anbieter und 24 % der privaten Klein­an­bieter ihre Wohnungen ener­ge­tisch zu sanieren. Bei den ener­ge­ti­schen Maßnahmen stand die Wärme­dämmung an erster Stelle, gefolgt von der Erneuerung der Heizungs­anlage. Die Opti­mierung der Heizungs­anlage als geringinvestive Maßnahme, um Ener­gie­ein­spa­rungs­po­tenzial zu heben, spielt zumindest bei den professionell-​gewerblichen Anbietern ebenfalls eine Rolle.

5) Wohnungs­genaue Verbrauchs­er­fassung wenig verbreitet

Heizungswechsel Quelle/Grafiken: BDEWIm Bereich der Heiz­kosten haben sich elek­trische Heiz­kos­ten­ver­teiler durch­ge­setzt. Heiz­kos­ten­ver­dunster sind noch in jeder fünften vermie­teten Wohnung zu finden. Die Ablesung erfolgt in den aller­meisten Fällen durch einen Mess­dienst­leister. In 15 % der Wohnungen professionell-​gewerblicher Vermieter werden die Verbrauchs­daten bereits direkt in die EDV-​Systeme der Wohnungs­un­ter­nehmen über­tragen. Bei etwa 10 % der durch private Klein­an­bieter vermie­teten Wohnungen werden die Verbräuche noch durch die Mieter selbst abgelesen. Für jede fünfte Wohnung eines privaten Klein­an­bieters gibt es keine wohnungs­genaue Erfassung der Verbrauchs­kosten für Heizung und Warmwasser.

6) Energie und Heizen Vermieter-Thema

Energie und Heizen hat für die Vermieter eine hohe Bedeutung. Über 90 % der % professionell-​gewerblichen und über 80 % der privaten Klein­an­bieter erachten das Thema als wichtig oder sehr wichtig. In jedem dritten Unter­nehmen bei den professionell-​gewerblichen Anbietern gibt es einen Spezia­listen oder eine spezia­li­sierte Fach­ab­teilung für Energie und Heizen. Entscheidend ist dabei die Größe des Wohnungs­be­stands. So haben 70 % der Vermieter mit mehr als 7.500 Wohnungen einen eigenen Spezia­listen, jedoch nur 6 % der Vermieter mit einem Wohnungs­be­stand von bis zu 500 Wohneinheiten.

7) Guter ener­ge­ti­scher Zustand Standard

Nach Einschätzung der Vermieter zählen für ihre Mieter vor allem die Gesamt­kosten der Wohnung. Eine getrennte Beur­teilung der Kalt und Warmmiete wird von den wenigsten Mietern vorge­nommen. Der ener­ge­tische Zustand der Wohnung kann aus Sicht der Vermieter vor allem in Nach­fra­ger­märkten (Wohnungs­an­gebot größer als die Wohnungs­nach­frage) ein wichtiger Vermie­tungs­faktor sein. Dort kommt es auch häufiger vor, dass sich die Mieter für Verbrauchs­werte und das Heiz­system inter­es­sieren. Aller­dings kommen Nach­fra­ger­märkte häufiger in Regionen mit gerin­gerer Kaufkraft vor, sodass ener­ge­tische Moder­ni­sie­rungs­maß­nahmen nur teilweise auf die Miete umgelegt werden können. Der Ener­gie­ausweis spielt im Bereich der Vermietung faktisch keine Rolle.

8) Contracting beliebter

Rund 40 % der professionell-​gewerblichen Vermieter haben bereits Erfahrung mit Contracting gesammelt. Hierbei handelt es sich vor allem um Vermieter mit einem Bestand von mehr als 7.500 Wohn­ein­heiten. Die befragten privaten Klein­an­bieter sind bisher so gut wie keine Koope­ra­tionen im Bereich Energie und Heizen einge­gangen. Professionell-​gewerbliche Anbieter, die bereits Contracting-​Modelle nutzen, nennen vor allem den Wegfall der Inves­ti­ti­ons­kosten sowie Kosten­ein­spa­rungen bei den Betriebs­kosten als Haupt­gründe. Jene, die noch kein Contracting nutzen, vermuten vor allem zu hohe Kosten oder haben derzeit keinen Bedarf oder kein Interesse daran. Darüber hinaus besteht bei ihnen der Wunsch, selbst über die Heizungs­an­lagen und deren Nutzung und Opti­mierung zu entscheiden.

9) Zuver­läs­sigkeit und Versor­gungs­si­cherheit wichtig

Mehr als die Hälfte der Vermieter arbeitet mit mehr als einem Ener­gie­ver­sorger zusammen. Entscheidend hierfür ist insbe­sondere die regionale Verteilung des Wohnungs­be­stands. Wichtig für die Wahl des Ener­gie­ver­sorgers sind Zuver­läs­sigkeit, Versor­gungs­si­cherheit und das Preis-​Leistungsverhältnis. Erst danach folgen klas­sische Serviceaspekte, wie ein direkter Ansprech­partner, die Erreich­barkeit oder Reak­ti­ons­ge­schwin­digkeit. Jeder fünfte Vermieter ist mit seinem Ener­gie­ver­sorger sehr zufrieden. Insgesamt sind professionell-​gewerbliche Anbieter zufrie­dener als private Kleinanbieter.

10) Potenzial für Beratungsdienstleistungen

Während die Ener­gie­ver­sorger die Vermieter in Bezug auf Heiz­technik und Wartung schon umfang­reich unter­stützen, gibt es ein erheb­liches Potenzial im Bereich der Bera­tungs­leis­tungen. Bisher stehen den Vermietern vor allem Verbände und Inge­nieur­büros als Berater zur Verfügung. Mehr als jeder dritte professionell-​gewerbliche Anbieter und jeder fünfte private Klein­an­bieter möchte zukünftig gern die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­be­ratung seines Ener­gie­ver­sorgers in Anspruch nehmen. Darüber hinaus gibt es auch deut­lichen ganz­heit­lichen Bera­tungs­bedarf in Bezug auf Sanie­rungs­kon­zepte. Die gemeinsame Entwicklung eines Angebots von Mieter­strom­pro­dukten mit dem Ener­gie­ver­sorger würden rund 20 % der professionell-​gewerblichen Anbieter in Anspruch nehmen. Die Verbrauchs­ab­lesung und die Abrechnung der Heiz­kosten mit dem Mieter sind ebenfalls Dienst­leis­tungen, die Vermieter einem Ener­gie­ver­sorger zutrauen und für die eine Nachfrage sowohl bei privaten Klein­an­bietern als auch bei professionell-​gewerblichen Anbietern besteht.

Die Studie kann hier herun­ter­ge­laden werden.


Ein Beitrag, wie die Zukunft der Wärme­netze aus­se­hen könnte, haben meine Energieblogger-​Kollegen von Ecoquent Positions hier ver­fasst.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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