Deut­scher Ener­gie­ver­brauch: Ener­gie­wende kommt nicht voran

Bagger im Rheinischen Revier. Auch als Rohstoff hat die Braunkohle kaum Zukunft. Foto: darkmoon1968 / pixabay
Kohle trägt nach wie vor zu einem großen Teil zur heimischen Stromproduktion bei, auch wenn ihr Anteil 2016 leicht zurückging. Foto: darkmoon1968 / pixabay

Der Ener­gie­ver­brauch in Deutsch­land wird nach Angaben der Arbeits­ge­mein­schaft Ener­gie­bi­lan­zen (AGEB) 2016 auf dem Niveau des Vor­jah­res liegen und eine Höhe von rund 13.350 Peta­joule (PJ) oder 455 Mil­lio­nen Tonnen Stein­koh­len­ein­hei­ten (Mio. t SKE) errei­chen.

Der Ener­gie­ver­brauch von Januar bis Sep­tem­ber 2016 lag mit 9.815 PJ oder 334,8 Mio. t SKE um 0,3 % höher als im ent­spre­chen­den Vor­jah­res­zeit­raum. Der gering­fü­gige Zuwachs geht im Wesent­li­chen auf den dies­jäh­ri­gen Schalt­tag, das Wirt­schafts­wachs­tum sowie den Bevöl­ke­rungs­zu­wachs zurück. Ver­brauchs­dämp­fend wirkten die ins­ge­samt milde Wit­te­rung sowie Ver­bes­se­run­gen bei der Ener­gie­ef­fi­zi­enz, erklärte die AG Ener­gie­bi­lan­zen in einer ersten Ein­schät­zung.

Quelle: AGEB Energieverbrauch, Energiemix, Gas, Öl, Steinkohle, Braunkohle
Quelle: AGEB

Der Ener­gie­mix wird wei­ter­hin vom Mine­ralöl (34 %) geprägt. Erdgas deckt mit 22 % mehr als ein Fünftel des Ver­brauchs. Die Stein­kohle kommt auf einen Anteil von gut 12 % und auf die Braun­kohle ent­fal­len rund 11 %. Die erneu­er­ba­ren Ener­gien stei­ger­ten ihren Anteil leicht auf mehr als 12 %.

Damit sta­gniert die Ener­gie­wende. Das beweist sich auch an den Zahlen der Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Sie erhöh­ten ihren Beitrag zur Ener­gie­bi­lanz der ersten neun Monate ledig­lich um 1,4 % auf 1.211 PJ oder 41,3 Mio. t SKE. Während die Strom­erzeu­gung aus Was­ser­kraft (ohne Pump­spei­cher) um 10 % zunahm, kam es bei der Wind­kraft an Land und auf See nur zu einem leich­ten Anstieg um 2 %. Solar­ener­gie (Pho­to­vol­taik und Solar­ther­mie) sank dagegen um 2 %. Die Bio­masse und die Geo­ther­mie stei­ger­ten ihren Beitrag um knapp 1 %.

Diesel treibt Ölver­brauch

Domi­niert wird der Ener­gie­ver­brauch nach wie von den den fos­si­len Ener­gie­trä­gern Mine­ralöl und Erdgas. Der Mine­ral­öl­ver­brauch lag mit 3.403 PJ oder 116,1 Mio. t SKE etwa 1,6 % höher als im Vor­jah­res­zeit­raum. Getrie­ben wurde dies Ent­wick­lung von der um 6 % gestie­ge­nen Nach­frage nach Diesel. Der Absatz von Otto­kraft­stoff hin­ge­gen sank wie schon in den Vor­jah­ren, in dieser Periode  um 0,3 %. Auch bei Heizöl ging der Absatz um 4 % zurück.

Der Erd­gas­ver­brauch erhöhte sich eben­falls, und zwar um 6,5 % auf 2.155 PJ bezie­hungs­weise 73,5 Mio. t SKE. Haupt­ur­sa­che des Ver­brauchs­an­stiegs war der Mehr­ein­satz von Erdgas zur Strom­erzeu­gung sowohl in den Kraft­wer­ken der Strom­ver­sor­ger wie auch in Kraft­wer­ken der Indus­trie.

Kohle sinkt weiter

Der Ver­brauch an Stein­kohle sank um 4,4 % auf 1.208 PJ oder 41,2 Mio. t SKE. Dabei ver­rin­gerte sich der Einsatz in Kraft­wer­ken zur Strom‐ und Wär­me­er­zeu­gung um 5,9 %. Der Stein­koh­len­ein­satz zur Strom­erzeu­gung wurde durch die gestie­gene Ein­spei­sung von Strom aus Offshore‐Windenergieanlagen sowie durch die erhöhte Strom­erzeu­gung aus Erdgas beein­flusst.

Der Ver­brauch an Braun­kohle sank gegen­über den ersten neun Monaten des Vor­jah­res um 3,9 % und erreichte eine Höhe von 1.116 PJ bezie­hungs­weise 38,1 Mio. t SKE. Rund 90 % der För­de­rung werden in Kraft­wer­ken zur Erzeu­gung von Strom und Wärme ein­ge­setzt.

Bei der Kern­ener­gie gab es ein Minus von knapp 10 %, was auf mehrere plan­mä­ßige Kraft­werks­re­vi­sio­nen und die Außer­be­trieb­nahme des Kraft­werks Gra­fen­rhein­feld Ende Juni 2015 zurück­zu­füh­ren ist.


Energieblogger‐Kollege Kilian Rüfer geht hier auf sei­nem Blog der Frage nach, bis wann wir 100 % Erneu­er­bare Ener­gien errei­chen wol­len.