Energiemix in Deutschland für 2017. Grafik: AGEB

Ener­gie­ver­brauch 2017: Erneu­erbare wachsen am stärksten

von | 28. Dezember 2017

Der Ener­gie­ver­brauch in Deutschland lag 2017 nach Angaben der Arbeits­ge­mein­schaft Ener­gie­bi­lanzen (AG Ener­gie­bi­lanzen) bei 13.525 Petajoule (PJ) oder 461,5 Millionen Tonnen Stein­koh­len­ein­heiten (Mio. t SKE) und damit um 0,8 % höher als im Vorjahr. Der Verbrauch von Mineralöl und Erdgas stieg, der von Kohle und Kern­energie war rückläufig.

Die erneu­er­baren Energien konnten ihren Beitrag kräftig steigern. Für den Verbrauchs­an­stieg ist vor allem die positive Konjunk­tur­ent­wicklung verant­wortlich. Bei den erneu­er­baren Energien sorgten im Wesent­lichen gute Wind­ver­hält­nisse an Land und auf See sowie eine etwas höhere Zahl von Sonnen­stunden und der Anla­gen­zubau für höhere Stromeinspeisungen.

Gewinne und Verluste der verschiedenen Energieträger für 2017. Grafik: AGEB

Gewinne und Verluste der verschie­denen Ener­gie­träger für 2017. Grafik: AGEB

Dadurch haben sich die Anteile der verschie­denen Ener­gie­träger am natio­nalen Ener­giemix 2017 gegenüber dem Vorjahr weiter verschoben: Mineralöl und Erdgas sowie die erneu­er­baren Energien konnten ihre Anteile am Ener­gie­ver­brauch steigern. Bei der Kern­energie und bei der Stein­kohle kam es zu deut­lichen, bei der Braun­kohle zu leichten Rück­gängen. Insgesamt basiert die deutsche Ener­gie­ver­sorgung auf einem breiten Ener­gie­trä­ger­an­gebot. Fast 60 % des inlän­di­schen Ener­gie­ver­brauchs entfallen auf Öl und Gas. Stein- und Braun­kohle deckten zusammen etwas mehr als ein Fünftel des Verbrauchs. Die Erneu­er­baren steigern ihren Beitrag kontinuierlich.

Der Verbrauch von Mineralöl erhöhte sich 2017 in Deutschland insgesamt um 3 % auf 4.675 PJ (159,5 Mio. t SKE). Zu dieser Entwicklung trug vor allem der gestiegene Verbrauch an Kraft­stoffen bei. Bei Otto- und Diesel­kraft­stoff kam es zu einem Plus von jeweils rund 2 %. Der Verbrauch von Flug­kraft­stoff nahm mit 0,7 % nur leicht zu. Der Absatz von leichtem Heizöl verzeichnete einen Zuwachs von rund 2 %.

Der Verbrauch von Erdgas erreichte eine Höhe von 3.200 PJ (109,2 Mio. t SKE) und lag damit um 5,2 % über dem Vorjahr. Erheb­lichen Einfluss auf diese Entwicklung hatte der gestiegene Einsatz von Erdgas in den Kraft­werken zur Strom- und Wärme­ver­sorgung. Infolge der vergleichs­weise kühlen Witterung in einzelnen Monaten des abge­lau­fenen Jahres verzeichnete der Erdgas­einsatz für Heiz­zwecke ebenfalls Zuwächse.

Der Verbrauch an Stein­kohle war um 10,4 % rück­läufig und erreichte eine Gesamthöhe von 1.489 PJ (50,8 Mio. t SKE). In der Strom­erzeugung kam es zu Verdrän­gungs­ef­fekten infolge höherer Strom­ein­spei­sungen aus erneu­er­baren Energien sowie einer gestie­genen Strom­erzeugung der Erdgas-​KWK-​Anlagen. Außerdem gingen mehrere Stein­koh­len­kraft­werke vom Netz. Die Eisen- und Stahl­in­dustrie erhöhte den Einsatz von Kohle und Koks leicht um etwa 0,6 %.

Der Verbrauch von Braun­kohle blieb um 0,6 % unter dem Ergebnis des Vorjahres und erreichte eine Höhe von 1.510 PJ (51,5 Mio. t SKE). Ein gerin­gerer Einsatz in den bestehenden Kraft­werken, an die rund 90 % der deutschen Braun­koh­len­för­derung geliefert werden, sowie die Über­führung der ersten Kraft­werks­blöcke in die vier­jährige Sicher­heits­be­reit­schaft sorgten 2017 für einen Rückgang der Strom­erzeugung aus Braun­kohle um 1 % auf 148 Terawattstunden.

Bei der Kern­energie kam es wegen Kraft­werks­re­vi­sionen zu einem Minus von 10,3 %. Insgesamt leistete die Kern­energie 2017 noch einen Beitrag von 828 PJ (28,3 Mio. t. SKE) zur Energiebilanz.

Die erneu­er­baren Energien stei­gerten ihren Beitrag zum gesamten Ener­gie­ver­brauch 2017 um gut 6 %, wobei es bei den einzelnen Ener­gie­formen zu unter­schied­lichen Entwick­lungen kam: Die Strom­erzeugung aus Wasser­kraft (ohne Pump­speicher) sank gegenüber dem Vorjahr infolge der Witte­rungs­be­din­gungen um rund 4 %. Die Strom­ein­speisung aus Wind­an­lagen nahm dagegen kräftig um 34 % zu. Bei der Solar­energie (Solar­wärme und PV-​Strom) kam es zu einem Zuwachs von 5 %. Die Geothermie verbuchte insgesamt ein Plus von 7 %. Biomasse und Abfälle verharrten auf dem Niveau des Vorjahres. Der Anteil der erneu­er­baren Energien am gesamten Ener­gie­ver­brauch in Deutschland stieg 2017 auf 13,1 %.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Frank Urbansky

    Das ist wohl ein Problem, ich befürchte nur, dafür gibt es keine zufrie­den­stel­lende Lösung. Letztlich wird verglichen, was einer­seits produ­ziert, ande­rer­seits genutzt wird. Das kommt unserer doch sehr einfachen Aufnah­me­fä­higkeit sehr entgegen. Präzise ist es nicht.

  2. Thorsten Zoerner

    Die Verbrauchs­werte lese ich eigentlich gerne; muss aber sagen, dass ich sie sehr irre­führend finde, denn mit zuneh­mender Elek­tri­fi­zierung des Ener­gie­be­griffs nehmen auch die ange­nom­menen Umrech­nungen zu. Anders ausge­drückt, wir beginnen Infra­struktur (Wind, Sonne) mit Brenn­stoffen (Kohle, Uran) zu vergleichen und führen künstlich eine „Bewertung” ein mit dem Begriff „Verbrauch”. Verbrauchen wir in Deutschland nicht die gesamte Stahlungs­en­ergie der Sonne?
    Als beken­nender Fan von Kenn­zahlen und Statis­tiken, hoffe ich persönlich, dass es irgendwann ein Messwert gibt, welcher greifbar „Nach­hal­tigkeit” beschreibt.

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