Grüne begin­nen Energie-Wahlkampf mit Fairer Wärme

Dafür würde keine CO2-Steuer fällig: große solarthermische Anlage. Foto: Urbansky
Dafür würde keine CO2-Steuer fällig: große solarthermische Anlage. Foto: Urbansky

Die Grünen begin­nen schon den Bun­des­tags­wahl­kampf – jeden­falls auf ener­gie­po­li­ti­schem Gebiet.

In ihrem aktu­el­len Antrag „Kli­ma­schutz in der Wär­me­ver­sor­gung sozial gerecht vor­an­brin­gen – Akti­ons­plan Faire Wärme starten“ zählen sie aller­hand Maß­nah­men auf, dar­un­ter einige alte Hüte, aber auch einige neue For­de­run­gen.

Zur Rea­li­sie­rung hätten die Pläne nur dann eine Chance, wenn die Grünen in die Regie­rung kommen und den dann mög­li­chen Partner SPD davon über­zeu­gen, denn die Sozi­al­de­mo­kra­ten lehnen die meisten der For­de­run­gen ab. Ob R2G, also die Koali­tion aus SPD, Linken und Grünen, kommt, kann derzeit jedoch noch niemand sagen. An dieser Stelle seien die wich­tigs­ten Punkte mit Kom­men­tie­rung vor­ge­stellt.

7 Mrd. für Wär­me­markt

Die bereit gestell­ten Mittel für erneu­er­bare Wärme, ener­ge­ti­sche Sanie­rung und Infra­struk­tur für die Wär­me­ver­sor­gung sollen auf ins­ge­samt 7 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich ver­dop­pelt und die Antrags­ver­fah­ren ver­ein­facht werden, damit die För­de­rung ankommt und gezielt wirkt.
Sehr gut.

Das Steuer- und Abga­ben­sys­tem im Ener­gie­sek­tor soll so wei­ter­ent­wi­ckelt werden, dass sich der CO2-Ausstoß eines Ener­gie­trä­gers stärker im Preis wider­spie­gelt und die bestehende Bevor­tei­lung von Heizöl gegen­über anderen Brenn­stof­fen abge­baut wird.
Sprich: Ener­gie­steuer für Heizöl, Erdgas und Flüs­sig­gas sowie Kohle anheben.

Das Rege­lungs­di­ckicht im Gebäu­de­be­reich soll durch ein ein­fa­che­res und trans­pa­ren­tes Ener­gie­spar­recht ersetzt werden, das die CO2-Emissionen und den realen Wär­me­be­darf
eines Gebäu­des zu den wesent­li­chen Bemes­sungs­grö­ßen macht.
Ers­te­res wird durch das neue Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz (GEG) in Angriff genom­men. Letz­te­res ist mit der der­zei­ti­gen Regie­rung nicht zu machen und wahr­schein­lich auch nicht mit der SPD als mög­li­chen Koali­ti­ons­part­ner.

Gegen Tech­no­lo­gie­of­fen­heit

Die staat­li­che Sub­ven­tio­nie­rung neuer Öl- oder Gas­hei­zun­gen über die KfW wird ab sofort ein­ge­stellt und statt­des­sen das Markt­an­reiz­pro­gramm für Erneu­er­bare im Wär­me­markt (MAP) ver­bes­sert und auf­ge­stockt.
Genau das wider­spricht dem tech­no­lo­gie­of­fe­nen Ansatz der Regie­rung, der auch von der SPD getra­gen wird.

Der von der EU vor­ge­schrie­bene Niedrigstenergie-Gebäudestandard für Neu­bau­ten wird ent­spre­chend dem KfW-Standard Effi­zi­enz­haus 40 defi­niert. So kommen spä­tes­tens ab 2021 kaum noch Hei­zun­gen im Neubau zum Einsatz, die auf fossile Brenn­stoffe ange­wie­sen sind.
Die Regie­rung ten­diert eher zum KfW-55-Standard als Nied­rigst­ener­gie­haus.

Erneu­er­bare ver­pflich­tend auch im Bestand

Der Einsatz erneu­er­ba­rer Ener­gien wird auch im Gebäu­de­be­stand antei­lig ver­pflich­tend, wenn ohnehin ein Aus­tausch der Hei­zungs­an­lage erfor­der­lich ist, so dass Erdöl und Erdgas auch im Bestand bis 2040 schritt­weise und planbar wei­test­ge­hend durch erneu­er­bar betrie­bene Heiz­sys­teme ersetzt werden.
Glei­ches ist mit dem EWärmeG in Baden-Württemberg eher geschei­tert, Haus­be­sit­zer zögern Sanie­run­gen hinaus.

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen werden durch eine ent­spre­chende Aus­ge­stal­tung der KWK-Förderung ver­stärkt von Mineralöl‑, Kohle- und Erd­gas­be­trieb auf Abwär­me­nut­zung (sollte ja eigent­lich Stan­dard sein, dank an Jonas für den Hinweis, FU) oder erneu­er­bare Brenn­stoffe umge­stellt.
Das ist schwie­rig, weil hier Erdgas der bestim­mende Brenn­stoff ist und eine Umstel­lung tech­nisch äußerst kom­pli­ziert, wenn nicht gar unmög­lich ist. Aus­nahme: Was­ser­stoff oder Biogas als Erd­gaser­satz.

Wär­me­netze sollen für die Ein­spei­sung erneu­er­ba­rer Wärme sowie indus­tri­el­ler und gewerb­li­cher Abwärme durch gesetz­li­che Rege­lun­gen geöff­net werden, um auch die Nah- und Fern­wär­me­ver­sor­gung schritt­weise zu dekar­bo­ni­sie­ren.
Löblich, hier müsste die aktu­elle Geset­zes­lage kom­plett geän­dert werden. Die Netz­be­trei­ber mit ihren Quasi-Monopolen sind nicht wirk­lich ver­pflich­tet, die Ange­bote von Dritten in ihr Netz auf­zu­neh­men.

Tem­po­räre Über­schüsse an Wind- und Solar­strom über Power-to-Heat-Anwendungen zur Wär­me­er­zeu­gung genutzt werden und so zur Sek­to­ren­kopp­lung zwi­schen Strom- und Wär­me­markt bei­tra­gen.
Sehr gute Idee, hat trotz ihrer Inef­fi­zi­enz noch am ehesten den Ansatz einer prak­ti­ka­blen Lösung.


Auch die anderen Par­teien kommen hier an dieser Stelle zu Wort, wenn sie sich dezi­diert zum Thema Wär­me­wende äußern.

Über die Pho­to­vol­taik im EEG 2017, von dem auch das neue GEG berührt ist, schrei­ben die Energieblogger-Kollegen Franz-Josef Kemnade und Chris­tian Sper­ling von next­kraft­werke hier.

3 Kommentare

  1. Mit 1 kWh Strom »ver­heizt« kann man ja immer­hin 1 kWh Erdgas ein­spa­ren – mit Wär­me­pumpe ent­spre­chend mehr.
    1 kWh Strom kostet zumin­dest bei großen PV-Anlagen bald weniger als 1 kWh Erdgas (End­kun­den­preise), Wind­kraft kostet im Norden auch nicht mehr als Erdgas. Also sogar »wirt­schaft­lich« das ver­hei­zen vno Strom…
    Wobei ein Nah­wär­me­netz mit Nie­der­tem­pe­ra­tur (< 30°C Vorlauf) und Solar­ther­mie und Wär­me­pumpe betrie­ben eine inter­es­sante »Ener­gie­senke« wäre 🙂

  2. Was ist denn Inef­fi­zi­ent am ver­hei­zen von tem­po­rä­ren Über­schüs­sen von Wind- und Solar­strom? Es ist effi­zi­en­ter als abrie­geln und Effi­zi­en­ter als Poer to Gas.

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